Fährtenarbeit

Fährtenarbeit mit Sibylle Schabel

Fährtenarbeit von der Schleppe über den Fährtenschuh zur Brauchbarkeitsprüfung.

Früh übt sich. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und dies trifft auch auf unsere vierbeinigen Supernasen zu. Wer später einen brauchbaren Nachsuchenhund möchte, fängt am besten bereits im Welpenalter an mit dem Üben kurzer Futterschleppen. Hierfür reichen anfangs wenige Meter, gezogen mit Aufbruchstücken, Futter oder einer frischen Decke. Eine Bodenverwundung mit dem Schuh und ein paar Schnitthaare kennzeichnen den Anfang dieser Schleppen. Ausgehend von diesem fingierten "Anschuss", wird beispielsweise die Decke an der Schnur gezogen und bei jedem zweiten Schritt erneut eine Bodenverwundung mit der Hacke herbeigeführt. Am Ende dieser Schleppen, die bei uns anfangs 20 Meter lang waren, wartete dann immer ein echter Leckerbissen für den Hund als Belohnung, was so automatisch zur Verknüpfung von Duft und Fressen führt. Nach den ersten Erfolgen bietet es sich an, die Schleppen zu verlängern. Auch wird ständig der Ort, die Tageszeit sowie die Stehzeit verändert und Haken werden eingefügt, damit es zu keiner Routine kommt. Vorbereitung auf die Brauchbarkeitsprüfung Für das Legen der Fährte braucht man einen Fährtenschuh, Schalen von der Sau, die passende Decke und Kreide oder Fährtenband zum Markieren. Am Anschuss steht ein großes "A", am Ende, wo die Decke abzulegen ist, ein großes "E" für Ende am Baum. Schnitthaar und intensives Scharren mit den Schalen am Schuh markieren dabei den Anschuss. Je besser die Fährte gekennzeichnet ist, desto einfacher kann sich der Führer auf den Hund und sein Verhalten bei der Arbeit konzentrieren. Dabei ist es sehr wichtig zu erkennen, welche Bewegungsmuster mit Körper, Nase und Schwanz vollzogen werden, wenn sich der Hund zu hundert Prozent auf der Fährte befindet beziehungsweise was passiert, wenn er einer Verleitfährte folgt. Der Führer muss den Hund "lesen" lernen. Diese Beobachtungen sind später unglaublich wertvoll, wenn es um eine echte Nachsuche geht. Der Hund wird genauso angesetzt wie auf der Schleppe. Das genaue Untersuchen des Anschusses ist sehr wichtig und auch anfängliches Kreiseln, um die Richtung der Fährte zu finden, ist zuzulassen. Kein Drängeln, kein Stress und genug Leinenspielraum fördern hier das gewünschte Verhalten. Wichtige Rituale Gesucht wird nur mit Schweißhalsung oder Geschirr und langem Riemen. Hierfür wird der Hund einige Meter vor der Schleppe oder Fährte abgesetzt, bekommt die normale Halsung abgenommen und seine "Arbeitskleidung" mit dem Kommando "anhalsen" angelegt. Wichtig ist dabei, dass der Hundeführer absolute Ruhe ausstrahlt, die sich so auf den Hund überträgt. Dann geht es zum Anschuss. Einige Meter davor wird der Hund dann abgelegt, damit der Führer den Anschuss untersuchen kann. Wo sitzt der Schuss, was für ein Schweiß befindet sich am Anschuss, gibt es Knochensplitter, Schnitthaare oder Deckenstücke? Danach wird der Hund aus dem Platz abgeholt und mit dem Kommando "Such verwund!" auf die Fährte geschickt. Dabei sollte der Hund nicht losstürmen. Diesem unerwünschten Verhalten gebietet man am einfachsten mit dem Kommando "langsam" und dem Festhalten der Leine Einhalt. Folgt der Hund mit tiefer Nase der Spur, ist ein einmaliges, kurzes Lob, beispielsweise "So ist brav!" angebracht. Kommt der Hund zu weit von der Fährte ab, wird er abgetragen, das heißt, er wird mit den Vorderläufen von der Verleitfährte gehoben und in Richtung der Fährte gestellt. Dann geht es zurück zur Fährte, der Hund muss absitzen und wird beruhigt. Mit einem kurzen "Weiter!" muss er dann erneut die Arbeit aufnehmen. Den etwas erfahreneren Hund schickt man später lediglich mit dem Kommando "Zur Fährte!" wieder auf die richtige Spur. Hier darf dann kurz mit einem "So ist brav!" gelobt werden. Bestrafungen oder Härte sind bei der Fährtenarbeit nicht angebracht, da sich dies absolut negativ auf den Spurwillen auswirken kann und im schlimmsten Fall zur Arbeitsverweigerung führt. Nähert sich der fleißige vierbeinige Schüler dem Stück, welches aus einer Saudecke sowie einer gebührenden Belohnung besteht, darf bereits mit dem verbalen Loben begonnen werden. Am Stück gibt es dann neben dem Futter auch noch ausgiebige von Herzen kommende Streicheleinheiten. Ohne Fleiß kein Preis Während der Vorbereitung auf die Brauchbarkeitsprüfung sind zwei bis drei Übungsfährten in der Woche ideal. Eine Fährte wird in der Regel im vorbereitenden Hundekurs gelegt, ein bis zwei zusätzlich im eigenen Revier. Länge und Stehzeit werden dabei ständig variiert und zwar von 400 bis 1.000 Meter und von 20 bis zu 48 Stunden. Das anvisierte Ziel war dabei die 1.000 Meter Übernachtfährte mit mindestens 20 Stunden Stehzeit. Die Fährten wurden dabei anfangs mit relativ wenig Schweiß (bezieht sich auf die 400 Meter Fährte) und Fährtenschuh und später nur noch mit dem Fährtenschuh gelegt. Ein bis zwei Verweiserstücke, wie beispielsweise Knochensplitter oder Schwarte, angebunden an einer Schnur, damit sie nicht von Wildtieren verschleppt werden, motivieren das Gespann dabei zusätzlich bei der Arbeit. Damit der Verweiserpunkt erkannt wird, markiert man den Baum entsprechend. Geht der Hund daran unachtsam vorbei, wird er auf den Verweiserpunkt mit dem Kommando "zeigen" aufmerksam gemacht. So lernt der Hund Schweiß, Knochensplitter, Schnitthaare und Gewebestücke anzuzeigen, die wir als Mensch übersehen würden. Dies gibt dem Schweißhundeführer später die Sicherheit, auf der richtigen Wundfährte zu sein. Die durch den Fährtenschuh verursachte Bodenverwundung ähnelt dem Trittsiegel des Wildes und lehrt somit den Hund, diesen Geruch, der mit der Veränderung der Bodenstruktur zusammenhängt, mit der Nase zu lesen. Sehr wichtig ist es aber auch nach der bestandenen Prüfung am Ball zu bleiben. Das heißt, weiterhin regelmäßig, am besten jede Woche einmal, auf Kunstfährten zu üben. Die ersten Todsuchen sollten einfach und gut zu bewältigen sein, damit der Hund Erfolg hat. Mit diesen Erfahrungen wird er später auch schwere Echtfährten bewältigen. Das Fährtenlegen und auch die Nachsuchen machen im Team am meisten Spaß, wenn man sich ihr beim Legen abwechselt. Der Hund bekommt hierdurch immer wieder eine neue Witterung, das ist echte Abwechslung zur Eigenwitterung des Hundeführers. So haben dann auch letzten Sommer vier Schweißhunde die Brauchbarkeitsprüfung auf Schalenwildrevier erfolgreich abgelegt. Das regelmäßige Üben hat zwar die Hundeführer einiges an Zeit, Schweiß und Nerven gekostet, aber für die Gespanne hat sich dieser Einsatz gelohnt.

Gerne stehen wir bei Bedarf mit Rat, Tat und unserem Wissen über die Schweißhundeführung zur Verfügung.

Sibylle Schabel, Petra Reidel und Jürgen Korn

Erstellt am 25.03.2015
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